Cyberspace

Die Bezeichnung Cyberspace verweist zunächst auf zwei Bereiche: die Vorsilbe “cyber-“ steht für Kybernetik, “space“ bezieht sich auf den abgegrenzten imaginären Raum des spezifischen Produktes aus dem Zusammenspiel kybernetischer Regeln. Die Grundlage des Cyberspace bilden maschinell vernetzte Datenströme, die gleichzeitig den definierten Raum erschaffen und abgrenzen.

Cyberspace kann als Raum geographisch definiert sein. Er lässt sich dann kartographisch darstellen, indem der Datenfluß zwischen den einzelnen Maschinen, deren Standorte sich im geographischen Koordinatennetz bezeichnen lassen, dargestellt wird. Je nach Schwerpunkt gibt es Karten, die die globale Ausbreitung des Cyberspace wiedergeben, Karten, die die quantitative Nutzung einzelner Datenwege oder Datenautobahnen zeigen, Karten, die den Weg einzelner Daten nachzeichnen oder Karten, die die Wege einzelner Nutzer im Netz verfolgen. Eine weitere geographische Verortung zeigt an, wo sich die Übertragungssatelliten und Kabel befinden, die eine Vernetzung medial ermöglichen.

Cyberspace kann auch thematisch kartographiert werden. Thematische Karten informieren darüber, wo Cyberspace zu welchen Zwecken benutzt wird, wer angeschlossen ist, welche Sprachen im Cyberspace gesprochen werden, die Entstehungs- und Nutzungsgeschichte lässt sich auf historischen Karten übersichtlich darstellen.

Die umfassendste Definition von Cyberspace findet sich in dem Roman Neuromancer von William Gibson:

Cyberspace. A consensual hallucination experienced daily by billions of legitimate operators, in every nation, by children being taught mathematical concepts ... A geographical representation of data abstracted from the banks of every computer in the human system. Unthinkable complexity. Lines of light ranged in the non-space of the mind, clusters and constellations of data. Like city lights, receding ... (Quelle: Gibson, William (1984): Neuromancer, p.51)

Eine weniger poetische, mehr technisch geprägte Definition stammt von Marcos Novak, der verschiedene kursierende Definitionen zusammenfasst:

Cyberspace is a completely spatialized visualization of all information in global information processing systems, along pathways provided by present and future communication networks, enabling full copresence and interaction of multiple users, allowing input and output from and to the full human sensorium, permitting simulations of real and virtual realities, remote data collection and control through telepresence, and total integration and intercommunication with a full range of intelligent products and environments in real space. (Quelle: Novak, Marcos: Liquid Architectures in Cyberspace, p. 225, in: Benedict, Michael (Hg.) (1991): Cyberspace. First steps, Massachusetts: MIT Press, p. 225-254)

Die Vernetzung von Datenströmen in einer mehr oder weniger umfassenden Verbindung mit dem menschlichen Sensorium erlaubt die Simulation von virtuellen Realitäten. In dieser Simulation bewegen sich Cyborgs, deren Lebens- und Sinnwelten unter dem Begriff Cyberculture zusammengefasst werden können.

Eine Übersicht über den gesamten Themenkomplex gibt es hier.