Das Wintersemester 1999/2000 neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, ein Fazit aus dem Referat zu ziehen. Das schliesst auch die endgültige Ausführung von Geplantem ein, genauso wie die Reflektion über Aufbau und Inhalt des Gestalteten.
Immer wieder tauchte im Seminar die Frage auf, ob “die neuen Medien“ tatsächlich neue Kommunikationsformen hervorbringen würden (z. B. anhand des Textes The computer as a democratizer von Michael und Ronda Hauben) oder ob sie als Medium lediglich das widerspiegelten, was ohnehin schon als Anlage und/oder Bedürfnis vorhanden ist. Die Idee, das Verhältnis Mensch - Medium umzukehren, indem ich als Mensch die Vermittlungsarbeit des Computers zwischen Information und Nutzern übernahm, ist naheliegend.
Für mich kam dabei heraus, daß diese Art, Referate zu schreiben und zu halten, wesentlich näher an meiner Denkweise orientiert ist als die herkömmliche Textproduktion. Die zwar auch sehr stark auf deutliche Gliederung aufbaut, jedoch nicht die Möglichkeiten der Vernetzung bietet, sie zumindest formal umständlicher gestaltet: Fußnoten, Vergleichs-Hinweise zu vorherigen Kapiteln oder Abschnitten - all das fällt bei einer “Netz-Meditation“ weg, weil es unmittelbarer erkennbar ist, sozusagen als mind-mapping direkt in’s Auge springt. In der Tat gibt es im Internet auch das Vorbild für diese Art der Informationsaufbereitung: http://landow.stg.brown.edu/cpace/theory/pena/alt_conscious.html wäre z. B. eine Einstiegs-adresse in eine Meditation über cyberspace, Descartes, cyborgs und Bewußtsein. Eine interessante Idee, die Bezeichnung cyberspace durch cpace zu ersetzen ...
Auch die Zuhörenden haben profitiert: eine der grundlegendsten formalen Regeln der Universität wurde ausser Kraft gesetzt, nämlich das Ausreden. Bestimmend für den Fortgang der Rede war nicht mehr das, was ich vorbereitet hatte, sondern das, was das Publikum hören wollte (obwohl das natürlich auch vorbereitet war ...).
Plötzlich macht es Spaß, sich die Information als Gruppe selbst zu erschliessen anstatt gelangweilt oder plötzlich mit anderen Assoziationen beschäftigt passiv zum Zuhören gezwungen zu sein. Plötzlich wird es spannend, zu beobachten, an welcher Stelle die Anderen zu einem Link wechseln oder evtl. durchzusetzen, daß dieses Link beendet wird. Interaktion ist gefragt.
Im Bezug auf die Frage: Internet - democratizer oder Spiegel der Verhältnisse zeigt dieses Referat, daß der Computer größtenteils eben nur Medium ist. Er ist ersetzbar und spiegelt letzten Endes lediglich das, was der Mensch im Kopf hat. Schliesslich wurde er ja auch vom Menschen entwickelt. Darüberhinaus hatte ich als Mensch in RL (Real Life), in der materialen Wirklichkeit, Möglichkeiten, die der Computer (noch) nicht hat:
Ja, der Anhang natürlich. Formale Gepflogenheit im wissenschaftlichen Arbeiten: Das Quellenverzeichnis!!!!
Eigentlich in einer Netz-Meditation überflüssig, weil der Zugriff auf die Information einer web-page zufällig ist und nicht zwangsläufig eine kanonisierte und systematische Quellenangabe erfolgen muss. Allerdings ist ein ausführlicher Quellennachweis ein Kennzeichen für Seriosität, gewissermassen die Gewähr für eine gute Information.
Eine Übersicht über den gesamten Themenkomplex gibt es hier.