Vgl. dazu das Link Cyberspace sowie An Atlas of Cyberspaces.
Mit zunehmender Dauer der Seminar-Sitzung wurde es immer lebendiger im Hörsaal, trotz fast dreiseitigem Nietzsche-Zitat und diverser englischer Zitate, alle im Original vorgetragen mit gemeinsamer Übersetzung. Teilweise konnte ich die einzelnen Linx nicht zu Ende vortragen, weil das Bedürfnis, zum nächsten Link zu surfen, größer war als die Neugier auf das Ende eines Themas. Spannenderweise genoß der Ausschnitt aus “Also sprach Zarathustra“ ungebrochene Aufmerksamkeit trotz der ausdrücklichen Aufforderung zur Unterbrechung.
Vgl. dazu auch das Hörspiel “Testflug“ (WDR 1974, 57 min.) von Stanislaw Lem: “Verhandelt wird die alte Frage, was den Menschen vom Roboter unterscheide. Weltraumpilot Pirx soll eine Mannschaft, die bei den Saturnringen arbeitet, testen, um herauszufinden, ob die Fabrikation von “Nichtlinearen“, von Robotern, in Serie gegeben werden kann. Die Besatzung besteht aus Menschen und aus “Nichtlinearen“, Pirx darf aber nicht danach fragen, wer nun wer ist. Und die Mitglieder der Mannschaft spielen ihm widersprüchliche Informationen zu. Eine Panne, offenbar von einem “Nichtlinearen“ provoziert, macht die Verwirrung vollkommen. Welches Gutachten wird Pirx abgeben? Ist der Roboter dem Menschen überlegen, und wenn: In welchen Situationen?“ (WDR Hörspielprogramm 1/1992, S. 64) Noch würde das Abspielen eines fast 60-minütigen Hörspiels auf einer Web-page in guter Qualität die Kapazitäten des Netzes überschreiten.
Eine Nebenwirkung der Informationsflut im Netz ist oder wird sein, daß die Kriterien für “gute Information“ sich ändern werden: nicht mehr die neueste Nachricht, die als Leitartikel in der Zeitung steht, ist die beste Information. Vielmehr wird aufgrund der permanenten Verfügbarkeit aller Information das Kriterium Glaubhaftigkeit bzw. Verlässlichkeit eine größere Rolle spielen als bisher. Gefordert ist eine Selbständigkeit im Umgang mit Information, um sich von der Informationsflut nicht hinwegspülen zu lassen.
Vgl. dazu auch die Matrix-Rezension: Maschinen, die sich dabei langweilen, das Funktionieren der menschlichen Wirklichkeit garantieren zu müssen.

Upgrade 1.1

Das Wintersemester 1999/2000 neigt sich dem Ende zu und es wird Zeit, ein Fazit aus dem Referat zu ziehen. Das schliesst auch die endgültige Ausführung von Geplantem ein, genauso wie die Reflektion über Aufbau und Inhalt des Gestalteten.

What’s new?

  1. Ein Link befand sich am 25.11.1999 noch im Aufbau, das war Hier, das eine Übersicht über die Verbindung der Linx untereinander enthält: wiedergegeben ist die inhaltliche Verknüpfung der Themen sowie eine graphische Darstellung der Frequenzen, mit denen die einzelnen Bereiche genannt werden. Gleichzeitig ist die Übersicht die praktische Ausführung einer cyber-map, wie sie Bestandteil eines Cyber-Atlanten sein kann.
  2. Der didaktische Aufbau des Vortrags hat sich positiv bewährt. An dieser Stelle sei den Zuhörenden gedankt für ihre Bereitschaft, sich auf das Experiment einzulassen.

Was war jetzt das Besondere am Vortrag?

Immer wieder tauchte im Seminar die Frage auf, ob “die neuen Medien“ tatsächlich neue Kommunikationsformen hervorbringen würden (z. B. anhand des Textes The computer as a democratizer von Michael und Ronda Hauben) oder ob sie als Medium lediglich das widerspiegelten, was ohnehin schon als Anlage und/oder Bedürfnis vorhanden ist. Die Idee, das Verhältnis Mensch - Medium umzukehren, indem ich als Mensch die Vermittlungsarbeit des Computers zwischen Information und Nutzern übernahm, ist naheliegend.

Für mich kam dabei heraus, daß diese Art, Referate zu schreiben und zu halten, wesentlich näher an meiner Denkweise orientiert ist als die herkömmliche Textproduktion. Die zwar auch sehr stark auf deutliche Gliederung aufbaut, jedoch nicht die Möglichkeiten der Vernetzung bietet, sie zumindest formal umständlicher gestaltet: Fußnoten, Vergleichs-Hinweise zu vorherigen Kapiteln oder Abschnitten - all das fällt bei einer “Netz-Meditation“ weg, weil es unmittelbarer erkennbar ist, sozusagen als mind-mapping direkt in’s Auge springt. In der Tat gibt es im Internet auch das Vorbild für diese Art der Informationsaufbereitung: http://landow.stg.brown.edu/cpace/theory/pena/alt_conscious.html wäre z. B. eine Einstiegs-adresse in eine Meditation über cyberspace, Descartes, cyborgs und Bewußtsein. Eine interessante Idee, die Bezeichnung cyberspace durch cpace zu ersetzen ...

Auch die Zuhörenden haben profitiert: eine der grundlegendsten formalen Regeln der Universität wurde ausser Kraft gesetzt, nämlich das Ausreden. Bestimmend für den Fortgang der Rede war nicht mehr das, was ich vorbereitet hatte, sondern das, was das Publikum hören wollte (obwohl das natürlich auch vorbereitet war ...).

Plötzlich macht es Spaß, sich die Information als Gruppe selbst zu erschliessen anstatt gelangweilt oder plötzlich mit anderen Assoziationen beschäftigt passiv zum Zuhören gezwungen zu sein. Plötzlich wird es spannend, zu beobachten, an welcher Stelle die Anderen zu einem Link wechseln oder evtl. durchzusetzen, daß dieses Link beendet wird. Interaktion ist gefragt.

Im Bezug auf die Frage: Internet - democratizer oder Spiegel der Verhältnisse zeigt dieses Referat, daß der Computer größtenteils eben nur Medium ist. Er ist ersetzbar und spiegelt letzten Endes lediglich das, was der Mensch im Kopf hat. Schliesslich wurde er ja auch vom Menschen entwickelt. Darüberhinaus hatte ich als Mensch in RL (Real Life), in der materialen Wirklichkeit, Möglichkeiten, die der Computer (noch) nicht hat:

What else’s new?

Ja, der Anhang natürlich. Formale Gepflogenheit im wissenschaftlichen Arbeiten: Das Quellenverzeichnis!!!!

Eigentlich in einer Netz-Meditation überflüssig, weil der Zugriff auf die Information einer web-page zufällig ist und nicht zwangsläufig eine kanonisierte und systematische Quellenangabe erfolgen muss. Allerdings ist ein ausführlicher Quellennachweis ein Kennzeichen für Seriosität, gewissermassen die Gewähr für eine gute Information.

Eine Übersicht über den gesamten Themenkomplex gibt es hier.