Verweist auf das Bewußtsein und den Geist als eigentliche Qualität oder Potential des Menschen und auf die Begrenztheit des Körpers.
Virtualität ist als Modell der noch nicht umgesetzte Entwurf für den Cyberspace, der die maschinell-technische Grundlage für Cyborgs und für die konkrete Umsetzung des virtuellen Modells, die Simulation, bereitstellt.
Durch die technische Simulation der geistigen Potenzen des Menschen wird es umgekehrt möglich, virtuelle Realitäten zu erschaffen, die bisher undenkbar bzw. nicht realisierbar waren. Diese virtuellen Realitäten spiegeln geistig-kognitives Potential wider und bieten die Möglichkeit einer Bewußtseinserweiterung und der Flucht aus der rein physisch-materiellen Welt. Ziel der zugewonnen Flexibilität ist es, die Grenzen des Körpers und des Geistes zu erkennen und den Körper zugunsten des Geistes zu überwinden.
Ein vorausgesetztes prinzipielles Defizit zwischen Geist und Körper, zwischen Mensch und Umwelt, lässt sich mit Hilfe interagierender Maschinen lösen. Die Verlagerung auf von Umweltbedingungen losgelöste und damit um sich selbst kreisende, gleichsam autistische virtuelle Realitäten wirft im Rückschluss die Frage nach den Bedingungen des Menschseins auf, die ihn von der technischen Vollkomenheit der Maschine trennen. In seiner Eigenschaft als Sinnproduzent, die ihn von anderen Lebewesen und von den Maschinen unterscheidet, ist er auf die Wahrnehmung seiner Sinne angewiesen, die in zweierlei Hinsicht durch die Technik nicht erfüllt werden kann:
Zum einen kann die Vielfalt vorhandener Wahrnehmungspotentiale (Geruch, Stimm-Nuancen, äusserliche Formen, Tast-Impulse etc.) durch die Maschinen (noch) nicht in ihrem vollen Umfang reproduziert werden, zum anderen ist eine solche technische Wiedergabe immer von Prioritäten bestimmt, die nicht vom einzelnen Menschen selbst in seinem Sinne gesetzt wurden. Im Gegensatz zum propagierten Ziel wäre eine Verkümmerung oder zumindest eine starke Einschränkung der individuellen Potentiale auf körperlicher und damit gleichzeitig auch geistig-sozialer Ebene die Folge.
Im Gegenteil zu anderen Modellen, die nach der Überwindung des Menschen im spirituellen Sinne trachten (wie z. B. Nietzsches Konzept des Übermenschen), geht es in der virtuellen Realität lediglich darum, den Körper durch technische Ergänzungen zu ignorieren. Ein ähnliches Ziel verfolgen verschiedene Askese-Techniken, die den Körper durch extreme Bedürfnis-Verweigerung (z. B. möglichst langes Überleben ohne Atmung, Schlaf oder Nahrungsaufnahme; Überwindung von Schmerz etc.) ausser Kraft setzen wollen.
Eine Übersicht über den gesamten Themenkomplex gibt es hier.